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Auf der Suche nach dem verlorenen Kurs. Eine stilisierte Darstellung der argentinischen Wirtschaftsgeschichte

Zusammenfassung | Die argentinische Wirtschaft lässt sich nur schwer einordnen: Es handelt sich um den rätselhaften Fall eines Landes mit großem Potenzial, das jedoch im Vergleich zu anderen Ländern systematisch (und großenteils selbstverschuldet) zum Niedergang verurteilt ist. Vor dem Hintergrund dieser perplexen Situation untersucht der Artikel die Evolution der argentinischen Wirtschaft seit ihren Anfängen bis zur heutigen Zeit. Die Autoren versuchen, die entscheidenden Ursachen für ihre ständigen Schwankungen, ihre enttäuschende Entwicklung im letzten halben Jahrhundert sowie die Faktoren zu entschlüsseln, die trotz der guten Ergebnisse der letzten Jahre die aktuelle Lage überschatten.

Besonders argentinisch. Verschiedene Literaturen und zwei Jahrhunderte

Zusammenfassung | Wie die anderer lateinamerikanischer Länder, so ging auch die argentinische Literatur aus einem Akt der Kritik hervor. Vor etwa einhundert Jahren stellte man Texte aus unterschiedlichen Zeiten und Umständen zusammen und vertraute ihnen – in erster Linie über die Schulen – die Bewahrung der nationalen Identität an. Der Kanon dieser Gründungsschriften verhielt sich aber zur Wirklichkeit nicht so friedlich, wie der nationalistische Wille es wollte, der sich seinerseits auf der Unterschlagung eines großen Teils der Konjunktur gründete. Der daraus resultierende zwanghafte Charakter ist zusammen mit anderen Elementen, wie z. B. einer gewundenen und distanzierten Beziehung zum Publikum, die Ursache dafür, dass die argentinische Literatur des 20. Jahrhunderts bisweilen wie eine extravagante, artifizielle und isolierte Textsammlung wirkt.

Die Mittelschicht in der Geschichte Argentiniens

Zusammenfassung | Argentinien galt stets als ein Land mit einer starken Mittelschicht. Dieser Beitrag verfolgt die Ursprünge der argentinischen Mittelschicht und begründet die Ansicht, dass sie sich in Wirklichkeit erst in den 40er Jahren in Opposition zum Protagonismus der armen Bevölkerungsschichten in der Frühzeit des Peronismus endgültig konsolidierte. Im Lauf der Geschichte wurde ihre Identität als Mittelschicht immer wieder beschworen, wenn es darum ging, die sozialen Bewegungen einzudämmen und die Radikalisierung der Armen zu verhindern. Es gab jedoch auch Momente der Annäherung beider Schichten. Hier wird die Auffassung vertreten, dass diese Beziehung wesentlich war, um den mächtigeren Klassen entgegenzutreten.

Ein Land der Krisen und Krisenüberwindung. Die Kultur der Instabilität und die Transformationsfähigkeit der Politik

Zusammenfassung | Politische und wirtschaftliche Instabilität ist eines der Kennzeichen Argentiniens. Der vorliegende Artikel untersucht die Ursachen dieses Phänomens und vertritt die These, dass die Stop-and-go-Zyklen und die häufigen Veränderungen im Regierungssystem durch die Schwäche des Staates, durch politische Projekte, die fast ausnahmslos auf einen Neuanfang setzen, und durch das von Faktionalismus geprägte Verhalten der sektoralen Akteure zu erklären sind. Die Untersuchung dieser Probleme bedeutet, die »Kultur der Stabilität« in Frage zu stellen, welche diesen beständigen Wesenszug akzeptiert, ihn gar mit dem Hinweis begrüßt, es handele sich um eine Voraussetzung des sozialen Fortschritts, um ein Symptom des Kampfes zwischen den Kräften des Wandels und den Verfechtern des Status quo. Dies impliziert auch, die Bedeutung des »politischen Willens« für das Vorantreiben tiefgreifender und vor allem nachhaltiger Veränderungen in Frage zu stellen.

Geschlossene Wohnanlagen in Buenos Aires: eine Ethik der Abgrenzung

Zusammenfassung | Buenos Aires, wegen der Schönheit seiner Monumente und Plätze als das »Paris Lateinamerikas« bekannt, hat den Ruf eine kosmopolitische und vielseitige Stadt zu sein, in der eine selbstbewusste Mittelschicht ein reiches und intensives Kulturangebot genießt. Seit den 90er Jahren verstärkt sich jedoch ein Phänomen, das auch in anderen lateinamerikanischen Städten zu finden ist: die Expansion der von Mauern umgebenen Wohnanlagen, in die sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung vor einer feindseligen und gefahrvollen Stadt zurückzieht. Der Beitrag untersucht diese Entwicklung aus Sicht der Maxime des griechischen Philosophen Epikur, für den Lust der Weg zum Glück war.

Hell und Dunkel – die Sozialstruktur Argentiniens im Wandel

Zusammenfassung | Mit dem Staatsstreich 1976 und vor allem im Zuge der Wirtschaftsreformen der 90er Jahre wurde in Argentinien die Kluft zwischen Arm und Reich größer, die bis dahin umfangreiche Mittelschicht dünner. Es entstand eine »neue Armut«. Der Autor dieses Artikels leugnet diese allgemeine, durch traditionelle Einkommens- und Beschäftigungsindikatoren bestätigte Entwicklung nicht, weist jedoch auf gegenläufige Tendenzen im gleichen Zeitraum hin. Dazu gehören die Ausweitung des Bildungssystems, umfangreichere Konsummöglichkeiten für die unteren Bevölkerungsschichten und das – eingeschränkte – Fortbestehen aufsteigender Mobilität. Die Überwindung der zu bewältigenden Probleme Argentiniens erfordert ein vollständigeres, umfassenderes Bild von der Sozialstruktur, das die Feinheiten dieser komplexen Realität berücksichtigt.

Phönixland. Anmerkungen zum historischen. Werdegang der Argentinier für deutsche Leser, die sich für das Schicksal ferner Länder interessieren

Zusammenfassung | Argentinien hat noch keine lange Geschichte. Aber bislang war es eine bewegte, voller Widersprüche, und vielleicht auch eine zu nichts führende Geschichte. Der Sprung, den dieses Land aus Lateinamerika heraus gewagt hat, um europäisch zu wirken, ein Sprung, der sehr viel Mühe gekostet hat, blieb unvollendet, unschlüssig zwischen beiden Welten. Die vergangenen hundert Jahre unserer Geschichte waren heftig und enttäuschend, denn das Land hat sich selbst geschadet und muss nun feststellen, dass sein Schicksal keineswegs gesichert ist, und dass es sich noch dazu als Nation neu erfinden muss. Argentinien wirkt wie ein Kranker, im Stadium zwischen Siechtum und Heilung. Doch dieses Land, das von inländischen Überlebenden des 19. Jahrhunderts und Millionen europäischer Immigranten aufgebaut wurde, ist daran gewöhnt, es mit Widrigkeiten aufzunehmen.

Ungeliebte Vergleiche. Drei Momente in der Geschichte Brasiliens und Argentiniens

Zusammenfassung | Argentinien und Brasilien weisen einige Gemeinsamkeiten auf, aber auch viele Gegensätze. Dieser Beitrag untersucht drei historische Entwicklungen, bei denen beide Länder aus einer ähnlichen Ausgangssituation heraus verschiedene Wege einschlugen: die Zeit von der Staatsgründung bis zum Boom des Agrarexportmodells Anfang des 20. Jahrhunderts, der desarrollismo Mitte des 20. Jahrhunderts und der Neoliberalismus an dessen Ende. Ziel ist, einige Merkmale «einzufangen», die bis zu einem gewissen Punkt die von beiden Ländern erreichten Ergebnisse erklären: die graduellen Veränderungen, die Kontinuität und zentrale Rolle des Staates in Brasilien; die Brüche, Versuche des Neubeginns und die zentrale Rolle der Gesellschaft in Argentinien.